Paysex mit Senioren, denn auch die Kunden werden älter …
Eine Frau geht die Treppen zum Altersheim hinauf, betritt das Gebäude, verschwindet in einem der Zimmer. Unauffällig gekleidet, die äußere Erscheinung nicht anders als eine normale Besucherin im Pflegeheim. Sie wird schon erwartet. Doch sie geht nicht etwa einen nahen Verwandten im Heim besuchen, ist nicht dessen Tochter oder Enkelkind. Sie ist eine Hure, gerufen von einem Bewohner eines Alten-und Pflegeheimes. Ein täglich normaler werdendes Geschehen in den Heimen unserer Republik. Zum Glück sehen es vermehrt auch viele Verantwortliche und Mitarbeiter der Heime so, ist es doch Ausdruck eines normalen menschlichen Bedürfnisses nach Sexualität, Zuneigung und menschlicher Nähe. Und es ist eine Lösung für ein Problem, mit welchem sich die Mitarbeiterinnen von Altern- und Pflegeheimen ab und zu konfrontiert sehen: Wie verhalte ich mich, wenn entsprechende Wünsche an mich herangetragen werden, wie gehe ich mit Heimbewohnern um, die sich nach der Befriedigung sexueller Wünsche sehnen, Nähe, Liebe, menschliche Zuneigung suchen?

Es ist eben doch so, dass sexuelle Aktivität und Lust nicht mit dem Einzug in ein Altenheim aufhört zu existieren. Liebe und Sex im Alter, das ist Realität und Normalität bei sehr vielen alten Menschen. Sicher, im Alter geht es ruhiger zur Sache, verschieben sich oftmals die Prioritäten. Und auch der Spruch: essen ist der Sex des Alters hat einen wahren Kern. Doch noch immer bleibt der Mensch, auch im Alter, ein Mensch mit seinen Sehnsüchten und Wünschen. Dass dazu auch körperliche Nähe gehört, das werden jüngere Leute vielleicht verwundert aber dennoch erfreut zur Kenntnis nehmen. Gefühle kennen kein Alter.
Gerade in Zeiten der wirtschaftlichen Krise entdecken immer mehr Huren das Klientel Senioren, finden hier ein weiteres Betätigungsfeld. Und der Trend dürfte, nicht nur der Krise geschuldet, weiter fortschreiten. Es ist ja nun lange kein Geheimnis mehr, dass unsere Gesellschaft altert. Das trifft natürlich nicht nur auf die alternde Freierschaft zu, die bei Kartoffelbrei und Herztabletten im Altersheim ihrer Jugend hinterher trauert. Auch die Huren unterliegen dem natürlichen Alterungsprozess, der durch die immer weiter zunehmende Konkurrenz junger osteuropäischer Mädels im Rotlichtgewerbe scheinbar noch beschleunigt wird. Die Dienstleisterinnen altern mit ihrer Kundschaft und werden die treue Stammkundschaft auch weiterhin befriedigen. Und wenn diese nicht mehr in den Puff kommen können, dann werden die Huren sie auch im Heim aufsuchen. Diskret natürlich, aber zunehmend geduldet und erwünscht von den Heimen selbst. Und es bleibt zu hoffen, das die Tabus bei diesem Thema zunehmend fallen, denn sie sind menschlich und betreffen eine große Gruppe von Menschen (nicht nur) in unserem Land.

Dazu gehört aber auch, dass die Gesellschaft und mit ihr die Politik selbst aufhört, beim Themen wie Prostitution, Huren und Paysex den moralischen Zeigefinger zu erheben, von Unmoral spricht, andauernd nur von Zwangsprostitution, Menschenhandel und Kriminalität im Sexgewerbe redet und damit den Beruf einer Prostituierten verdammt, ächtet oder in eine Nische zu drängen, in die sie nicht gehört. Sexarbeiter(innen) sind genau so moralisch und unmoralisch wie die Gesellschaft selbst, sind Teil der deutschen Wirtschaft (mit einem zweistelligen Milliardenumsatz!) und funktioniert wie die gesamte Wirtschaft auch – mit allen legalen und illegalen Facetten! Oder glaubt ihr Heuchler und Moralisten wirklich, dass die “saubere” Wirtschaft anders ist? Lachhaft, denn sie ist genau so Teil des Wirtschafts-und Gesellschaftssystems. Aber das passt nicht in die lieb gewonnenen alten Klischees, die bei diesem Thema immer wieder gerne bedient werden. Genau so sollte die Gesellschaft über das Tabu-Thema “Sex im Alter” diskutieren und sich eine (positivere) Meinung bilden. Denn erstens werden wir alle älter und zweitens nützt es niemandem, sich verschämt abzuwenden, zu schweigen oder zu verdrängen. Seniorensexualität ist ein gesellschaftlich relavantes Thema, welches viel mehr Beachtung finden muss, vor allem in der Zukunft. Denn die Gruppe der Senioren sind ein ständig wachsendes Wählerpotential, welches nicht unterschätzt werden sollte. Nicht nur, wenn es um Sexualität geht …
Unterhält man sich mit Huren, die viele ältere Kunden haben, so geht es bei der Erfüllung der Freierwünsche beileibe nicht immer nur um Sex mit den Huren. Die Palette der Wünsche der Freier mit den weißen Haaren: Geschlechtsverkehr und der Austausch von Zärtlichkeiten, Kuscheln, Streicheln, bei Selbsterotik der Damen zusehen. Wichtig für die Freier ist die Konversation mit und das Zuhören der Huren, die gemeinsam verbrachten Zeit. Es ist die Suche nach menschlicher Nähe in einer Umgebung, die von der Uhr und von Plänen und Vorschriften bestimmt wird, in der für Zuneigung und Menschlichkeit immer weniger Zeit bleibt. Um das richtig zu stellen: das ist absolut kein Vorwurf an die Mitarbeiter dieser Einrichtungen, vor denen ich große Hochachtung habe und die den Dank für ihre Arbeit rechtschaffen und ehrlich verdienen. Es ist die unheilige Allianz aus ökonomisch motiviertem Sparzwang und Bürokratie, letztlich den ganzen gesellschaftlichen und zunehmend auch entsolidarisierten Familienverhältnissen geschuldet. Die Vereinsamung der Menschen ist also ein wichtiger und oftmals entscheidender Grund, weshalb auf die Gesellschaft einer Hure zurück gegriffen wird. So einfach in ein Heim “abgeschoben” werden, das möchte wohl kein Mensch.

Der andere Punkt ist, daß nicht nur die männlichen Insassen der Heime solcherlei Bedürfnisse haben. Was ist mit den Frauen? Gibt es bald vermehrt Agenturen männlicher Dienstleister (deren Anteil an der Gesamtzahl der Sexdienstleister(innen) in Deutschland steigt übrigens seit Jahren), die sich um die sexuellen und allzu menschlichen Wünsche der, zugegeben kleineren, Klientel der erfahrenen Frauen kümmert? Eine Geschäftsidee für die Zukunft eventuell? Denn eines ist klar: ein großer Teil der Rentner hat Geld, das sie ausgeben können und auch wollen. Im Gegensatz zur jungen Generation, die es erst verdienen müssen und davon zu leben haben – auch mit den Gespenst Arbeitslosigkeit im Nacken. Viele Senioren sind auch im Alter noch fit, möchten das Leben genießen und sich etwas gönnen. Warum also nicht sein Geld für etwas ausgeben, was man ohne Geld nur schwerlich bekommt …






