Pauschalangebote auf dem Vormarsch

Der Medienrummel um den neu eröffneten Planet Pussy Club XXXL in Fellbach stellt die Frage, welche Bedeutung solche Pauschalangebote für die weitere Zukunft des Sex Gewerbes haben? Sex Flatrate Angebote sind keine Erfindung des Pussy Clubs. Seit Jahren schon bietet man in Partytreffs und Pauschalclubs diese Art von “Festpreis-Sex“, ohne dass sich da sonderlich Jemand darüber aufgeregt hätte. Und auch andere Clubangebote, wie zum Beispiel in FKK-und Saunaclubs, beinhalten Flatrate-Elemente.
Was ist eigentlich eine Flatrate? Das Wort Flatrate stammt ursprünglich aus dem Englischen, wo der Begriff Flat Fee ausdrückt, dass ein Produkt oder eine Dienstleistung unabhängig von der Abnahmemenge zu einem Pauschalpreis verfügbar ist. Der Begriff “Flatrate” setzt sich zusammen aus flat (flach, eben) und rate (Tarif). Flatrate-Preise basieren auf einer Mischkalkulation, bei der die Kunden, die das Angebot wenig nutzen, einen Anteil zur Finanzierung von Vielnutzern leisten.
Nicht anders ist das bei den Pauschalangeboten der Sex Flatrate Clubs. Der Großteil der Freier, welche so ein Sex Flatrate Angebot nutzen, geht nicht mehr als 2 mal mit den Mädels aufs Zimmer. Das bedeutet im Umkehrschluß, dass diese Männer die Besucher mitfinanzieren, welche potenterweise eine noch höhere Zimmerfrequenz aufweisen können. Was man auch nicht vergessen sollte, wenn man von Pauschalangeboten spricht: es geht hier nicht nur um Sex. Denn die Eintrittspreise enthalten ebenso Speisen und Getränke, die während des Aufenthaltes im Club verkonsumiert werden können sowie die Nutzung der Räumlichkeiten (etwa Sauna, Whirlpools, Solarium).
Die fetten Jahre sind schon lange vorbei, in denen man als Hure richtig gut verdienen konnte. Tatsache und Realität ist, dass das Sex Bussineß seit Jahren im Umbruch ist, sich auf neue Herausforderungen einstellen musste.
Nicht nur, dass sich die Konkurrenzsituation im Gewerbe verschärft hat, vor allem nach dem EU-Beitritt einiger osteuropäischer Staaten. Frauen aus Osteuropa strömten und strömen zu zigtausenden ins Rotlichtgewerbe der westeuropäischen Länder, um hier als Prostituierte mehr Geld zu verdienen als zu Hause in Polen, Tschechien, Bulgarien oder Rumänien. Das Angebot an Sexdienstleisterinnen wuchs damit überproportional an gegenüber der Nachfrage, was auf die Dienstleistungspreise drückte und sie fallen liess. Hinzu kamen hunderte von Nachtclubs in Polen und Tschechien an den Grenzen zu Deutschland und Österreich, welche die Freier anzogen. Gleichzeitig zog es viele Freier als Sextouristen in Länder wie Thailand, die Dom. Rep., Cuba, Brasilien oder auf die Phillippinen. Ein weiterer zu beachtender Aspekt ist die zunehmende Nutzung des Internets durch die Freier, die sich in regionalen und überregionalen Freierforen über Clubs und Huren, Service und Preise austauschen und informieren. Strukturen und Besitzverhältnisse im Gewerbe erfuhren weitreichende Veränderungen, Sparzwänge in Unternehmen, die liberalere Gesetzgebung in Deutschland, welche die Rechte der Huren stärkte oder die vielfältigen, die immer mehr werdenden Angebote von “Hobby-und Taschengeldhuren“, sinkende Realeinkommen und gestiegene Lebenshaltungskosten sind nur einige Gründe für die sich vollziehenden Veränderungen. Sicher ist die Aufzählung damit nicht vollständig und läßt sich fortsetzen.
Dazu kommt verschärfend die Finanz-und Wirtschaftskrise, welche die potentiellen Freier die Hand auf die Geldboerse legen läßt. Man(n) ist sparsam geworden und muss sich auf das Wesentliche beschränken. Und das ist nicht unbedingt die Befriedigung sexueller Wünsche und Bedürfnisse. Andererseits möchte man auch nicht auf den lieb gewonnenen Huren-Besuch verzichten. Und so hält man Ausschau nach preiswerten Alternativen. Deshalb werden vor allem hochpreisige Angebote Einbußen hinnehmen müssen, Luxusbordelle etwa.
Sind Sex Flartate Angebote die folgerichtige Antwort auf die derzeitige Finanz-und Wirtschaftskrise? Ja und nein, so einfach läßt sich die Frage nicht beantworten. Ja, wenn man allein vom preislichen Aspekt der Pauschalangebote ausgeht, der für viele Freier sicher ein Entscheidungsgrund ist. Flatrateangebote sind berechenbar, man zahlt einmal und braucht sich keine Gedanken mehr zu machen um teure Getränkepreise oder das Salär der Liebesdienerinnen.
Auf der anderen Seite ist der Preis nicht alles. Zwar sind Pauschalclubs beileibe keine Schuddelläden, wie mancher Kritiker vielleicht aus dem Preis herleiten möchte. Aber Pauschalclubs sind nicht gerade dafür bekannt, dass dort die Top-Optik-Hasen zuhauf rumlaufen und die Kunden bedienen. Auch steht nicht jeder Freier auf Rudelbums oder grossen Publikumsverkehr, schätzt Diskretion und individuellen Service und ist bereit, dafür auch entsprechend mehr zu zahlen. Denn Fakt ist auch, dass für die Rentabilität von Pauschalangeboten eine entsprechende Frequentierung notwendig ist.
Sex Flatrate Clubs haben einen festen Platz im Sexgeschäft und werden auch zukünftig dazu gehören. Genau wie die vielen anderen erotischen Angebote. Ob Pauschalclub, Nachtclub, Laufhaus, Massagestudio, FKK-und Saunaclub, Wohnungsbordell, Bordstein- schwalbe oder Hobbyhure. Jedes hat seine Liebhaber und das ist gut so.







