Sommerloch, Wahlkampf und die Furcht um den guten Ruf

Wenn man den Rummel um den Flatrate Club Fellbach so verfolgt, dann macht man sich so seine Gedanken, vor allem über das warum?, warum gerade jetzt? oder das wer? Ich kann ja vielleicht noch verstehen, dass das Thema Sex-Flatrate im Pussy Club Fellbach ein willkommenes und Aufmerksamkeit heischendes Thema für die Journalisten ist, um das jährliche “Sommerloch” zu überbrücken. Da stürzt sich natürlich jede Redaktion gerne drauf, um dem Leser neues Futter zu bieten. Allerdings sollte das Geschriebene dann wenigstens ordentlich recherchiert sein, was bei dem Rummel um dien Sex Flatrate Pussy Club in Fellbach offensichtlich nicht geschehen ist (oder ist diese Mitteilung des Pussy Clubs falsch?). In einem früheren Beitrag habe ich dazu schon etwas geschrieben.
In einem Offenen Brief des sich in Fellbach formierten “Aktionsbündnis gegen Sex-Flatrate” an Politiker des Bundes und des Landes Baden-Württemberg steht zum Beispiel unter anderem:
Nachdem bereits in Berlin, Wuppertal und Heidelberg solche Clubs betrieben werden, ist abzusehen, dass sich diese Geschäftspraxis weiter ausbreiten wird. …
Die Pussy Clubs haben die Sexflatrate weder erfunden noch ist dies eine besonders neue Form sexueller Dienstleistungen. Pauschalangebote dieser Art gibt es schon seit Jahren. Die “Gefahr”, dass solche Pauschal-Angebote sich dank der Pussy Clubs weiter verbreiten ist also gegenstandslos, da sie schon in vielen Orten und seit längerer Zeit akzeptierte Realität sind. Komischerweise blieb der Sturm der Entrüstung da aber aus, obwohl die Angebote sich nicht wesentlich von denen der Pussy Clubs unterscheiden. Hängt das etwa mit der Tatsache zusammen, dass wir uns mitten im Wahlkampf befinden? Wollen sich hier Parteien oder Politiker profilieren?
Der Pussy Club betreibt aggressive Werbung?! Ja, sicher. Aber wer glaubt denn im Ernst, was uns die Werbung täglich blumig verspricht? Wer glaubt, dass ein Waschmittel weisser als weiss wäscht, dass man nach dem Genuss einer Dose Red Bull fliegen kann oder gar, dass Politiker ihre Wahlversprechen halten? Übertreibungen sind mitunter Teil der Werbung für ein Produkt, welches man an den Konsumenten bringen möchte und man sollte die Verbraucher (hier die Freier) nicht für so doof halten, dass sie alles Versprochene glauben. In den einschlägigen Foren kann man lesen, wie die Wirklichkeit in den Pauschalclubs aussieht.
Menschenunwürdig? Nicht menschenunwürdiger als zum Beispiel die Arbeit polnischer Arbeiterinnen auf den Spargelfeldern Brandenburgs (für Pisageschädigte: das liegt im Osten Deutschlands), die für 4 – 5 Euro die Stunde, sieben Tage die Woche und bis zu 15 Stunden täglich, bei schwerer Arbeit als Lohnsklaven schuften, um dem deutschen Wohlstandsbürger billigen Spargel auf den Tisch zu bringen. Nicht menschenunwürdiger auch als die Arbeit von Kindern und weiblichen Arbeitssklaven in Fabriken und auf Feldern der 3. Welt, um den Bürgern der 1. Welt den Kauf billiger Klamotten, Sportartikel oder Nahrungs-und Genussmittel zu ermöglichen. Wir alle profitieren, direkt oder indirekt, von dieser Ausbeutung und von den dort gezahlten Hungerlöhnen. DAS ist Auch menschenverachtende Realität, die jedoch stillschweigend hingenommen wird. Oder fällt das morgendliche Kaffeetrinken oder das Geiz-ist geil-Shopping deswegen jetzt aus?
Noch mal ein Zitat aus dem Offenen Brief:
Wir fordern, dass in das Prostitutionsgesetz der Schutz der Menschenwürde von Frauen, die als Prostituierte arbeiten, aufgenommen wird.
Ja, was steht denn da eigentlich gleich im 1. Artikel des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland? Unter anderem doch wohl, dass die Würde des Menschen unantastbar ist! Und das ist allgemeingültig und schliesst auch die Frauen ein, die als Prostituierte arbeiten. Oder nicht? Oder hat Fellbach ein eigenes Grundgesetz? Ich möchte den Verfasserinnen durchaus die besten Absichten unterstellen und ihre Sorge um die Menschenwürde der Mädchen anerkennen. Um deren Einhaltung zu kümmern haben sich jedoch Andere. Das steht auch im Grundgesetzt: “Sie (die Würde des Menschen) zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.”. Damit ist auch gesagt, wo die Verantwortung liegt.
Moral und Recht sind, man möge es bedauern, 2 verschiedene Paar Schuhe. Solange nicht gegen die bestehenden Gesetze und Vorschriften verstoßen wird, so lange ändern moralische Bedenken nichts an der Legalität und somit an der Existenz solcher Sex-Flatrates-Angebote. Wäre es anders, so würde der Pussy Club in Fellbach schon längst geschlossen sein.
Allerdings drängt sich mir so ein leichter Verdacht auf, dass der ganze Wirbel um den Pussy Club und die rührende Sorge um die Würde der Mädchen des Clubs so selbstlos und edel dann doch nicht ganz ist sondern auch als Aufhänger für das Verfolgen eigener Ziele dienen. Denn unwillkürlich stellt sich die Frage, wem die Schliessung des Clubs nicht ungelegen käme? Einfallen würden mir da Einige … .
Es gibt genug Huren, die in Laufhäusern, Bordellen oder auf dem Strassenstrich nicht besser verdienen als die Mädels im Pussy Club Fellbach bzw. in anderen Pauschalclubs dieser Art und ebenfalls hart dafür arbeiten müssen.
Übrigens, für die Umfrageinteressierten unter der werten Leserschaft hier noch ein Link zu einer Umfrage bezüglich Pro oder Kontra zum Pussy Club. Das Umfrageergebnis ist sicher nicht besonders representativ, zeigt aber im Trend, was die Leute von so einem Angebot halten. Das Verständnis für den ganzen Rummel hält sich offensichtlich in Grenzen. Na ja, sicherlich sind die Umfrageteilnehmer auch keine Bürgerinnen und Bürger von Fellbach, die sich um den “guten Ruf” ihres Ortes Sorgen machen
.


