Der ehemals laengste Straßenstrich Europas heute …
Sie stehen zu hunderten an der Strasse zwischen dem Grenzübergang Zinnwald und der Stadt Teplice auf der tschechischen Seite, winken den vorbei fahrenden Autofahrern zu oder steigen in einen der vielen wartenden LKW, die über die Grenze nach Deutschland wollen. Und das kann dauern. Für ein paar D-Mark ist Jede zu haben, die einst so stolzen Töchter unseres tschechischen Nachbarlandes. Auto gegen Mädchen? Kein Problem! Fast alles ist möglich und zu haben. An der Strasse vor einer Bude steht ein Schild: ”Hier gibt es Zigaretten, Bockwurst und Maruschka!” …
Nein Jungs, das ist nicht die Beschreibung des momentanen Zustandes an der E 55, des einst “laengsten Strassenstriches der Welt”, wie die Meile früher auch genannt wurde. Das ist Nostalgie, längst vergangen und vorbei. Es ist ruhig geworden an der E 55 – und auch dunkler. Die grosse Zeit des Strassenstrichs hier ist vorbei, definitiv.

Der Bürgermeister von Dubi bemüht sich mit dem Ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und Methoden seit Jahren nach Kräften, das Rotlichtgewerbe aus seiner Stadt zu vertreiben. Mit einigem Erfolg, es wird immer weniger. Mit Videoüberwachung, verstärkter Streifentätigkeit der Polizei, Halteverbot auf der gesamten E 55 durch Dubi und anderen Massnahmen hat er duchaus Erfolge erzielen können.
Aber auch andere Dinge trugen und tragen zum Niedergang des Rotlichtgewerbes in dieser Region bei: So die Euro-Einführung, der die Brieftaschen der Freier strapazierte, die grosse Elbeflut mit direkter Auswirkung auf den Fahrzeugverkehr, der Bau der neuen Autobahn Dresden – Prag sowie die zunehmend angespannte wirtschaftliche Situation in Deutschland mit hoher Arbeitslosigkeit. Der letzte Schlag war der EU-Beitritt der Tschechischen Republik, wodurch viele Frauen legal in Westeuropa der Prostitution nachgehen konnten.
Es weht also ein rauher Wind ins Gesicht der Damen an der Strasse, die sicher zu den Verlierern dieser Entwicklung gehören. Man kann nun sicher Krokodilstraenen vergiessen oder den moralischen Zeigefinger heben. Fakt ist eines: sie verdienen Geld, um zu leben (ehrlicher in meinen Augen als so viele dieser Moralisten und Gutmenschen hierzulande, die Not und Hoffnungslosigkeit nie kennen gelernt haben und aus einer abgesicherten wirtschaftlichen Position heraus kluge Sprüche klopfen und nur heisse Luft bewegen. Das hilft den Frauen gar nicht, macht sie nicht satt. Erst kommt das Fressen und dann die Moral …)!
Unwidersprochen aber auch, dass Kriminalität und Drogenkonsum vor allem in den letzten Jahren ein ständige Begleiter der Rotlichtszene gewesen sind. Viele der Frauen sind drogensüchtig, perspektivlos und resigniert. Kunststück, Drogen sind an der E 55 leichter zu beschaffen als Arbeit oder Brot.
Aber nicht alle Frauen an der E 55 teilen dieses Schicksal. Einige der Frauen gehen tagsüber einer durchaus ehrbaren Tätigkeit in Büros oder Firmen nach. Wenn aber der Lohn am Monatsende trotzdem nicht für Miete, Strom und Kinder reicht, dann haben sie hier kaum andere Möglichkeiten als die Strasse, um sich schnell die fehlenden finanziellen Mittel zu beschaffen.
Fazit:
Es gibt ihn noch, den Strassenstrich an der E 55 in Teplice. Nicht mehr in dem Maße wie in den 90er Jahren, eher kleinen und übersichtlich. Noch interessant für Insider. In Dubi ist Strassenprostitution verboten und deshalb auch (offiziell jedenfalls) nicht mehr existent. Der Trend in Tschechien geht, wie in anderen Ländern Westeuropas auch, zu kleinen Wohnungsbordellen. Abzulesen auch in der weiter zunehmenden Anzahl der Anzeigen in Zeitungen wie “Annonce” oder “Tip Service”. Einige der Anzeigen sind auch in deutscher Sprache. Die ueberwiegende Klientel sind allerdings Landsleute, die Frauen sprechen zumeist wenig oder kein deutsch oder englisch. Vorteilhaft also, der tschechischen Sprache maechtig zu sein … .
Hilfreiches zum Strassenstrich an der E 55: Standplätze
Stundenhotels in Dubi
GPS: 50”30”43 N, 13”14”57 E
GPS: 50”30”43 N, 13”14”57 E
Berichte und Informationen zu Nachtklubs in Tschechien und Polen findet Ihr im Butterfly-Forum







